Was sich in der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung abspielte, spottet jeder demokratischen Logik:
Kevin Weidler wurde erneut in den Aufsichtsrat der Wildauer Wohnungsbaugesellschaft gewählt – unter fragwürdigen Bedingungen und mit einem Wahlverfahren, das man getrost als undemokratisch bezeichnen kann.
Nach einer ersten Abstimmung ohne Mehrheit wurde einfach ein zweiter Wahlgang angesetzt. Der neue Stimmzettel enthielt kein „Nein“ mehr, nur noch „Ja“ oder „ungültig“.
Das Ergebnis: Der Weg war frei für einen Mann, dessen Name wie kaum ein anderer für die Fehlentwicklungen der Homuth-Jahre steht.
Warum Kevin Weidler im Aufsichtsrat problematisch ist
Die Rückkehr Weidlers in die Kontrolle der WiWO ist mehr als eine Personalentscheidung – sie ist ein politisches Signal.
Er war bereits früher stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, als genau jene Entscheidungen getroffen wurden, die heute Gegenstand öffentlicher Kritik, juristischer Prüfungen und politischer Aufarbeitung sind.
Konkret geht es um folgende Punkte:
- Mangelnde Kontrolle der Geschäftsführung:
Interne Dokumente und Zeugenaussagen sollen darauf hindeuten, dass Weidler während seiner Amtszeit als Aufsichtsrat seiner Kontrollpflicht gegenüber der Geschäftsführung nicht in vollem Umfang nachgekommen sein soll.
Weder bei der Kostenexplosion der Kita „Hasenwäldchen“ noch bei der Vergabe mehrerer Bauaufträge an die Firma Schneider Systembau soll das Gremium eingeschritten sein oder eine Prüfung veranlasst haben.
- Mitverantwortung für intransparente Bauvergaben:
Nach den vorliegenden Unterlagen sollen unter Beteiligung des Aufsichtsrats mehrere Bauaufträge ohne öffentliche Ausschreibung vergeben worden sein – teils an dieselben Unternehmen, mit erheblichen Mehrkosten für die WiWO.
Zeugenaussagen aus dem Umfeld der damaligen Verwaltung legen nahe, dass das Vergaberecht nicht konsequent angewendet wurde und der Aufsichtsrat diese Praxis stillschweigend hingenommen haben soll.
- Verflechtungen und Loyalitäten:
Weidler soll nach internen Beschreibungen bereits zu Homuths Zeiten zum engeren Kreis um Angela Homuth, Mark Scheiner und Sven Schulze gehört haben.
Entscheidungsprozesse sollen häufig im kleinen Kreis abgestimmt und anschließend formell durch die Gremien gebracht worden sein.
Die notwendige Kontrolle und Distanz des Aufsichtsrats soll dabei weitgehend gefehlt haben.
- Mitverantwortung für Fehlentwicklungen bei zentralen WiWO-Projekten:
Interne Unterlagen und Projektprotokolle deuten darauf hin, dass Weidler als Mitglied des Aufsichtsrats in jene Zeit fiel, in der mehrere Projekte aus dem Ruder liefen:- Kita „Hasenwäldchen“: Es soll zu Planungschaos, massiven Kostensteigerungen und Qualitätsmängeln gekommen sein.
- Bergstraße / Fichtestraße: Genehmigte Bauanträge sollen zurückgezogen und anschließend teurer neu vergeben worden sein.
- Fliederweg / Hückelhovener Ring: Projekte sollen ohne öffentliche Ausschreibung vergeben worden sein, Nachträge sollen noch vor Baubeginn gestellt worden sein.
Trotz dieser Vorgänge soll das Aufsichtsgremium keine interne Untersuchung eingeleitet haben.
- Stillhalten statt Aufklärung:
Als öffentliche Kritik und interne Nachfragen zunahmen, soll der Aufsichtsrat – und damit auch Weidler – nicht aktiv reagiert haben.
Stattdessen soll der Eindruck entstanden sein, dass man Konflikte vermeiden und bestehende Strukturen schützen wollte, anstatt sie zu hinterfragen.
Ein Signal alter Machtstrukturen
Dass Mark Scheiner Weidlers Kandidatur aktiv unterstützt, ist kein Zufall.
Es zeigt, dass der alte Machtzirkel der Homuth-Ära versucht, sich die Kontrolle über die WiWO zurückzuholen – jenes Unternehmen, das in Wildau politisch wie wirtschaftlich eine Schlüsselrolle spielt.
Die Botschaft ist klar:
Nicht Aufklärung, sondern Restauration.
Nicht Erneuerung, sondern Selbsterhalt.
Was das für Wildau bedeutet
Die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt haben bei der letzten Wahl deutlich gemacht, dass sie genau dieses System nicht mehr wollen.
Sie haben das Bürgerbündnis Wildau gewählt, um Transparenz, Kontrolle und Glaubwürdigkeit zurückzubringen.
Doch die Wiederwahl Kevin Weidlers steht für das Gegenteil:
Ein Rückfall in alte Abhängigkeiten, in undurchsichtige Entscheidungswege, in Seilschaften, die sich gegenseitig stützen.
Ein Appell an die Bürger
Wildau darf nicht noch einmal in die Vergangenheit abrutschen.
Die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt müssen nun laut werden.
Stellen Sie Anfragen an die Stadtverwaltung.
Verlangen Sie Einsicht in die Protokolle.
Wildau gehört nicht den Seilschaften, die schon einmal gescheitert sind.
Wildau gehört den Menschen, die hier leben und die endlich Aufklärung verdienen.














